German Economic Forum
Das German Economic Forum startet mit seinem zweiten Unternehmerforum unter dem Thema 'Expedition-Innovation: Auf der Suche nach Erfindern und Realisierern'. Ein abwechslungsreiches Programm mit spannenden Referenten, interessanten Impulsen und einer breitgefächerten Themenauswahl machen dieses zweitägige Unternehmerforum zur Top-Veranstaltung für Deutschlands Konzernchefs, Firmeninhaber und Jungunternehmer.


Unternehmerforum
Auf der Suche nach Erfindern und Realisierern

Deutschland braucht Innovationen – dringender denn je. Gesättigte Märkte, hohe Arbeitskosten, demografischer Rückgang – all diese Herausforderungen sind zu bewältigen mit Wachstum durch neue Produkte, Dienstleistungen, Marken, Geschäftsmodellen und Ideen. Im 21. Jahrhundert gibt es dabei viele neue Hindernisse und Gefahren zu beachten, um auf der anspruchsvollen Expedition erfolgreich zu bestehen. Es gilt eine neue Landkarte zu zeichnen - machen wir uns gemeinsam auf den Weg. In einer globalisierten, flachen Dienstleistungswelt sind viele alte Regeln und Orientierungen dramatisch verändert, ja gar auf den Kopf gestellt worden:

  1. Es zählt nicht die Erfindung, sondern die Realisation
    Ideen haben viele, Patente auch. Aber die meisten schlummern in der Schublade und werden nicht weiterverfolgt. Erfolgreich werden in Zukunft die Realsierer der Ideen sein. Viel zu wenig wird beachtet dass sich Innovation aus Invention (Erfindung) und Realisierung (Umsetzung) zusammensetzt. Viel zu stark ist bisher noch der Fokus auf die Ideengenerierung, auf Forschung und Entwicklung. In Zukunft geht es weniger darum sich immer noch mehr neue Erfindungen einfallen zu lassen sondern viel mehr darum, die vorhandenen Ideenpotentiale (Deutschland hat immer noch eine der größten Zahlen an Patenten, Forschungsergebnisse und Ideenbörsen – aber eine der geringsten Umsetzungs-quoten) zu nutzen, zu probieren, umzuformulieren und umzusetzen.

  2. Technologien und Produkte spielen eine viele geringere Rolle als Dienstleistungen und Geschäftsmodelle
    Die Veränderungen im Bruttosozialprodukt zeigen deutlich, dass die ökonomischen Werte (heute auch in Deutschland unter 30%) mehrheitlich nicht durch Technologien und Produkte geschaffen werden, sondern durch die unsichtbaren, unfühlbaren Dienstleistungen und die Schaffung neuer Marken und Geschäftsmodelle. Dieser Wertschöpf-ungsanteil, der heute bei 70% unserer Volkswirtschaft liegt, wird in den nächsten Jahren noch bis auf 90% ansteigen und damit noch wichtiger werden. Umso entscheidender ist es dass wir unsere Anstrengungen nicht darauf verlegen, neue Produkte zu schaffen, sondern bestehende neu zu kombinieren, mit Dienstleistungen zu ergänzen und neue Vertriebs-, Logistik- und Geschäftsmodelle zu schaffen.

  3. Es geht nicht mehr um die interne, geschlossene Innovation sondern um die externe, offene Innovation
    Bisher sind viele Unternehmen stolz darauf, ihre selbst geschaffenen Innovationen unter Verschluss zu halten und mit niemanden zu teilen. Gerade deshalb scheitern allerdings auch die meisten der internen Innovation. Viele Studien belegen dass die Realisierungswahrscheinlichkeit von solchen internen, geschlossenen Innovationsanstrengungen bei 5% liegt. Viel erfolgreicher sind in der heutigen Welt offene Innovationen – also Bestrebungen die durch Kooperationen, Netzwerke und Internet-Plattformen ausgelöst werden. Beispiele wie die offenen Entwicklungen Linux, Wikipedia und Google zeigen dies deutlich – aber zu erkennen ist dieser Trend auch in eher traditionellen Forschungsbereichen. Hier haben wir weit über das Internet hinaus einen großen Aufholbedarf und müssen lernen uns zu öffnen, auszutauschen und Feedback und Unterstützung von Partnern, Kunden und Experten anzunehmen und umzusetzen.

  4. Der entscheidende Faktor der Innovation ist der Kundenwert
    Der Erfolg einer Innovation zeigt sich nicht in der Akzeptanz des Vorstandes, des Chefs oder der Kollegen. Der einzige Maßstab ist die Erzeugung von Kundenwert. Nehmen Kunden die Innovation an, sind sie bereit Geld dafür auszugeben, berichten sie darüber und stehen sie als Referenz zur Verfügung, dann sind das eindeutige Kriterien, die niemand intern hätte beurteilen können. Viel stärker muss daher der Kunde frühzeitig in die Entwicklung, Bewertung und Verbesserung einbezogen werden. Kundenwert muss zur Orientierungsgröße für den vollständigen Innovationsprozess und zum leitenden Entscheidungskriterium werden – und nicht die internen Meinungen und Vorlieben. Eine Innovation ist immer nur so gut wie ihre Wachstumsstrategie.

  5. Von der unternehmensentwickelten Innovation zur unternehmensgetriebenen Realisation
    Noch immer gehen eine Vielzahl von Initiativen von Großunternehmen aus. Mehr und mehr setzt sich aber die Erkenntnis durch, das diese Strukturen immer weniger geeignet sind, neue Ideen und zarte Pflänzlein zum Leben zu erwecken. Börsengetriebene Berichtszeitraume, langwierige Abstimmungsprozesse, abteilungsübergreifende Konsensfindung sind Gift für jede neue Idee, die eine schnelle und konsequente Realisierung fordert. Viel besser als Entstehungsgeschichte geeignet sind Initiativen von Gründern und jung-gebliebenen Unternehmen, Inkubatoren und „Grüne Wiesen“-Plattformen außerhalb der traditionellen Großorganisation. Deshalb sollte man diesen auch die Schöpfung und Entstehung überlassen. Das Großunternehmen mit seinen stabilen Systemen kann dann wieder eine wichtige Rolle spielen, wenn die Innovation eine gewisse Größe und Selbständigkeit erlangt hat und einstmals eine ausgereifte Wachstumsplattform benötigt.

Alle Entwicklungen der neueren Wirtschaftsgeschichte zeigen in eine deutliche Richtung: Innovationen wirklich zu realisieren erfordert Mut und Unternehmertypen, die das Risiko nicht scheuen. Ideen sind am besten über die Unternehmensgrenzen hinweg mit Kunden und Partner zu realisieren. Kleine, mittelständische Einheiten sind besser geeignet, schnell und unkompliziert Entscheidungen in der Entstehungs- und Wachstumsphase zu treffen. Innovationserfolge sind also stark mit Unternehmertum verknüpft und Schumpeters Thesen zum „schöpferischen Unternehmer“ sind aktueller denn je.